© DAH | Bild: Renata Chueire

Rückschlag für die HIV-Impfstoff-Forschung

Die Suche nach einem HIV-Impfstoff hat einen schweren Rückschlag erlitten. Die groß angelegte Studie HVTN 702 wurde abgebrochen, da kein Erfolg zu verzeichnen war.

An der Studie nahmen 5.407 HIV-negative sexuell aktive Personen zwischen 18 und 35 Jahren aus ganz Südafrika teil.

Erprobt wurde ein „Prime-Boost“-Schema. Hierbei wird die erste Impfung („Prime“) mit einem anderen Impfstoff durchgeführt als die späteren „Boost“-Impfungen. Damit erhofft man sich eine stärkere und breitere Antwort des Immunsystems als mit nur einem Impfstoff.

HVTN 702: 129 HIV-Infektionen in der Impfgruppe, 120 bei den Placebo-Empfänger_innen

Eingesetzt wurden ein sogenannter ALVAC-Vektor und ein Hüllprotein des HIV-1-Subtyps C, der in Süd- und Ostafrika weit verbreitet ist.

Der ALVAC-Vektor basiert auf dem Erreger der Kanarienpocken, der in menschliche Zellen eindringen, sich dort aber nicht vermehren kann. Bei dem Hüllprotein handelt es sich um gp120, ein Glykoprotein, mit dem HIV an den CD4-Rezeptor menschlicher Zellen andockt.

Eine Hälfte der Proband_innen (2.694) bekam sechs Spritzen im Verlauf von 18 Monaten, die andere Hälfte (2.689) bekam Placebos.

Im Januar 2020 stellte ein unabhängiges Gremium bei einer Analyse der Daten fest, dass die eingesetzten Impfstoffe keine Wirkung zeigten: Unter den geimpften Proband_innen gab es 129 HIV-Infektionen, bei den Placebo-Empfänger_innen 123.

Weitere Impfungen werden seither nicht durchgeführt. Die Studienteilnehmer_innen wurden informiert und werden weiterhin medizinisch betreut.

Weitere Studien zur HIV-Impfung laufen, ein 100%iger Schutz ist aber nicht zu erwarten

Die HVTN-702-Studie wurde 2016 begonnen, nachdem sich Forscher_innen über den Erfolg einer 2009 beendeten Studie in Thailand uneinig waren.

Damals gab es eine Schutzwirkung von lediglich 31 Prozent, die auch nur wenige Monate anhielt. Zudem hatten die Proband_innen in Thailand nur ein niedriges Infektionsrisiko, sodass die Schutzwirkung möglicherweise verzerrt war.

Da HIV zentrale Zellen des Immunsystems angreift und immer wieder der Immunantwort des Menschen ausweicht, hat der Körper kaum eine Möglichkeit, dauerhaft eine schlagkräftige Verteidigung aufzubauen. Solange niemand eine HIV-Infektion überwindet und danach immun ist, weiß man nicht, wie eine schützende Immunantwort aussehen könnte, die man dann mit einer Impfung zu erzielen versuchte.

Zur HIV-Impfstoff-Forschung laufen derzeit noch die Studien MOSAICO und IMBOKODO, die ebenfalls eine „Prime-Boost“-Strategie, aber mit anderen Impfstoffen verfolgen, und Studien mit sogenannten breit neutralisierenden Antikörpern.

Selbst wenn einer der Ansätze zur HIV-Impfung erfolgreich sein sollte, wird man keinen 100%igen Schutz erwarten können – aber schon eine Schutzwirkung von 60 bis 70 Prozent wäre ein großer Erfolg.

Gleichzeitig macht die medikamentöse HIV-Prophylaxe in Form der PrEP der Impfstoffforschung Konkurrenz.

Erforscht wird derzeit, die schützenden Medikamente nicht täglich als Tablette, sondern als Depotspritzen oder Implantate über mehrere Monate zu verabreichen.

Weitere Ergebnisse zu diesen Forschungen werden wahrscheinlich auf der Retroviruskonferenz Anfang März 2020 veröffentlicht werden.

(sd/hs)

Quellen und weitere Informationen:

Experimental HIV Vaccine Regimen Ineffective in Preventing HIV (Pressemitteilung des National Institute of Allergy and Infectious Diseases vom 03.02.2020)

Another HIV vaccine strategy fails in large-scale study (Beitrag auf sciencemag.org vom 03.02.2020)

Forschung zur HIV-Impfung: Wo stehen wir 2019, wohin geht die Reise? (Beitrag auf magazin.hiv vom 11.12.2019)