Londoner Patient: Wahrscheinlich zweite HIV-Heilung

Bei Adam Castillejo ist im März 2020, fast drei Jahre nach Absetzen seiner HIV-Medikamente, kein HIV mehr nachweisbar. Er gilt dank einer Stammzellspende im Rahmen einer Krebsbehandlung als zweiter Mensch, der von HIV geheilt wurde. Das Verfahren kommt aber nur in Ausnahmefällen infrage – die hochwirksame HIV-Behandlung dagegen für alle Menschen mit HIV.

Bereits im März 2019 hatte die Nachrichtenagentur Reuters gemeldet, der „Londoner Patient“ genannte HIV-positive Mann sei HIV-frei, obwohl er im Oktober 2017 seine HIV-Medikamente abgesetzt hatte.

Londoner Patient: HIV-Heilung durch Stammzellentransplantation

Adam Castillejo wuchs in Caracas (Venezuela) auf und lebt seit 2002 in London. 2003, mit 23 Jahren, bekam er seine HIV-Diagnose.

2011 wurde zudem Krebs bei ihm festgestellt (ein malignes Lymphom im 4. Stadium), und er begann eine Chemotherapie. 2014 ging es ihm so schlecht, dass er über Suizid nachdachte, und im Frühjahr 2015 sagten seine Ärzt_innen ihm, er werde das Weihnachtsfest nicht mehr erleben.

Ein Freund Castillejos fand aber einen Arzt, der Erfahrung mit der Krebsbehandlung sowie mit Knochenmarktransplantationen hatte.

Wie beim ersten Fall einer HIV-Heilung im 2007 – Timothy Ray Brown ging als „Berliner Patient“ in die Geschichte ein – fand dieser Arzt einen Stammzellenspender mit einer seltenen genetischen Mutation, die ihn vor den meisten HIV-Formen schützt.

Der Gesundheitszustand des „Londoner Patienten“ war laut New York Times vor der Transplantation besser als der von Timothy Ray Brown. Außerdem wurde sein Immunsystem nicht so weit heruntergefahren wie bei Brown, die Operation war daher nicht ganz so gefährlich.

Nach der Transplantation verlor Castillejo allerdings gut 30 Kilogramm, zog sich mehrere Infektionen zu und musste mehrfach operiert werden. Sein Mund war so entzündet, dass er seine HIV-Medikamente kaum schlucken konnte.

Heute geht es dem 40-Jährigen wieder besser, so die New York Times in einem Bericht.

Castillejo sieht sich selbst als „Botschafter der Hoffnung“ und betreibt auch den Twitter-Account Londonpatient_Hope (@londonpatient).

HIV ist heute gut behandelbar

2019 war auch ein weiterer Fall einer möglichen HIV-Heilung aus Düsseldorf gemeldet worden. Auch dieser Patient hatte Krebs und wurde mit der gleichen Methode behandelt wie Timothy Ray Brown und Adam Castillejo.

Im März 2020 berichteten Wissenschaftler_innen des Universitätsklinikums Düsseldorf, dass auch 15 Monate nach Absetzen der HIV-Therapie keine HIV-Vermehrung nachweisbar sei.

Auch wenn nun schon drei Erfolgsgeschichten zeigen, dass HIV prinzipiell heilbar ist: Eine Stammzellentransplantation bleibt eine Methode für Ausnahmefälle. Der riskante Eingriff wird nur eingesetzt, wenn er dringend erforderlich ist. Weltweit wurden 2019 insgesamt 38 Patient_innen mit HIV nach einer solchen Operation beobachtet.

Die modernen HIV-Medikamente dagegen sind für alle Menschen mit HIV geeignet. Sie entfernen die Viren zwar nicht aus dem Körper, unterdrücken aber dauerhaft die Virenvermehrung.

Bei früher Diagnose und frühem Behandlungsbeginn bieten sie gute Chancen auf ein normal langes Leben ohne größere körperliche Beschwerden und verhindern auch die Übertragung von HIV.

(hs)

Bericht in der New York Times vom 9. März 2020 (nach Registrierung zugänglich; in englischer Sprache)

Bericht auf queerty.com vom 10. März 2020 (in englischer Sprache)

Wissenschaftlicher Beitrag in The Lancet HIV vom 10. März 2020 (freier Zugang; in englischer Sprache)

Informationen zum Londoner und zum Düsseldorfer Patienten (in englischer Sprache)

Ausführliche Informationen zum Londoner Patienten

Weitere Informationen zu beiden Fällen (New Scientist)

Wissenschaftliche Details zum Londoner Patienten auf nature.com

Bericht der Rheinischen Post zum Düsseldorfer Patienten

„Meine HIV-Heilung hat alles verändert“ (Beitrag zum „Berliner Patienten“ auf magazin.hiv)