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Hinweis: Lang anhaltende sexuelle Störungen durch Antidepressiva SSRI und SNRI

„Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) können die Sexualfunktion beeinträchtigen. Über lang anhaltende Störungen, die trotz Absetzens der SSRI/SNRI fortbestehen, ist berichtet worden.“[1] Diesen Passus müssen demnächst die Produktinformationen[2] von SSRI und SNRI enthalten, entschied die europäische Arzeneimittelbehörde (EMA) im Juni 2019.

So wurden in den Jahren 2012 bis 2017 insgesamt 221 Berichte von Patient_innen über anhaltende Störungen der Sexualfunktion nach Einnahme von SSRI und/oder SNRI an die Internetseite Rxisk.org übermittelt. Das niederländische Pharmakovigilanzzentrum (Lareb) berichtete bereits 2011 über 19 Verdachtsmeldungen zu post-SSRI sexuellen Dysfunktion (PSSD), die noch zwei Monate bis zwei Jahren nach Absetzen des Medikaments anhielten.[3]

Wie das Arznei-Telegramm in seinem Bericht vom 18. Juni 2019 zu diesem Thema hervorhebt, ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen, nicht zuletzt deshalb, weil die Symptome einer PSSD nicht leicht auf die Einnahme eines Arzneimittels zurückführbar sind.[4] Insbesondere aus diesem Grund wurde bereits im April 2018 von einer unabhängigen Expertenkommission in einer Petition an die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA dringendst empfohlen, mögliche anhaltende sexuelle Dysfunktionen (u.a. genitale Anästhesie, unbefriedigender, verzögerter oder ausbleibender Orgasmus, reduzierte vaginale Lubrikation, verringerte Sensibilität der Brustwarzen, Erektionsstörungen) dezidiert in der Produktinformation zu benennen.[5]

Die Veranlassung der EMA zur Änderung der Produktinformation ist ein erster Schritt in diese Richtung.

[1] EMA: PRAC recommendations on signals: 11. Juni 2019; 1.3.; http://www.a-turl.de/?k=genh
[2] Die EMA zieht die SSRI Citalopram (CIPRAMIL, Generika), Escitalopram (CIPRALEX, Generika), Fluvoxamin (FEVARIN, Generikum), Fluoxetin (FLUOXETIN HEXAL u.a., Generika), Paroxetin (SEROXAT, Generika) und Sertralin (ZOLOFT, Generika) in die Maßnahme ein sowie die SNRI Duloxetin (CYMBALTA, Generika), ▼Milnacipran (MILNANEURAX), Venlafaxin (TREVILOR, Generika) und Desvenlafaxin (in Deutschland nicht im Handel). Die Maßnahme gilt nicht für Vortioxetin (BRINTELLIX; hierzulande außer Handel) und Clomipramin (ANAFRANIL, Generika), obwohl diese in die Bewertung des Risikosignals einbezogen waren.
[3] Lareb: SSRIs and persistent sexual dysfunction, Oct. 2012; http://www.a-turl.de/?k=arme
[4] arznei-telegramm.de: EMA: Lang anhaltende sexuelle Störungen durch SSRI und SNRI; 18. Juni 2019, https://www.arznei-telegramm.de/html/htmlcontainer.php3?produktid=501_01&artikel=1907501_01k, blitz-a-t vom 18. Juni 2019; Zugriff 25.06.2019
[5] Citizen petition: Sexual side effects of SSRIs and SNRIs, https://rxisk.org/wp-content/uploads/2018/06/JRS745-1.pdf; Zugriff 25.06.2019