© Jan Nikolai Nelles / DAH

Hilferuf der Suchthilfe: Schnelle Hilfen für Drogengebrauchende und Obdachlose!

Angesichts existenzieller und lebensbedrohlicher Krisensituationen von Drogengebraucher_innen fordern die Deutsche Aidshilfe (DAH), akzept e.V. und der JES-Bundesverband unter anderem Möglichkeiten für sofortige Substitutionsbehandlungen und die Einstufung niedrigschwelliger Hilfsangebote als „systemrelevant“.

Die Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig reagierte mit dem Aufruf, die Suchthilfe in der Coronakrise aufrechtzuerhalten.

„Der Schwarzmarkt für Heroin bricht aktuell zusammen“, erklären die DAH, der Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik sowie JES. „Das bedeutet, dass eine Vielzahl von Drogenkonsument_innen bedrohlich verlaufende und unbegleitete Entzugssituationen erleben wird.“

Drogenhilfe in der Coronakrise: Unterstützung sicherstellen

Die Organisationen halten es daher für dringend geboten, zusammen mit den Verantwortlichen medizinischer Versorgungsinstitutionen und den Behörden Unterstützungsformen vorzubereiten, die für absolute Notfälle erreichen bleiben.

Hierzu zählen DAH, akzept und JES

  • die Schaffung von Möglichkeiten der sofortigen und gegebenenfalls temporären Substitutionsbehandlung für Opioidkonsument_innen – insbesondere auch für Nichtversicherte und Obdachlose
  • die Erhaltung von Krankenhausbetten für Menschen mit bedrohlicher Entzugssymptomatik
  • die Zurverfügungstellung von Notunterkünften für leichter erkrankte und in Quarantäne unterzubringende obdachlose Menschen
  • die Sicherstellung der Substitutionsbehandlung für in Quarantäne befindliche Drogenkonsument_innen, unabhängig davon, ob sie vorher bereits mit Substitutionsmedikamenten behandelt wurden oder nicht
  • die Notfallversorgung für Menschen mit einem missbräuchlichen Konsum von Kokain/Kokainderivaten (z. B. durch Versorgung mit Ersatzstoffen wie Ritalin oder mit Originalstoffen)
  • die Anerkennung von niedrigschwelligen Hilfsangeboten wie Drogenkonsumräumen als „systemrelevante Angebote und Einrichtungen“ mit dem Status „Versorgungsstellen“ analog dem Einzelhandel bzw. Apotheken. Dies soll gewährleisten, dass weiterhin Mitarbeitende zur Arbeit kommen, Klient*innen die Versorgungsangebote nutzen können und diese Einrichtungen mit den notwendigen Materialien wie Desinfektionsmittel oder Atemschutzmasken versorgt werden können.
  • Haftentlassungen von Opioidabhängigen ausschließlich bei gesicherter Anschlussbehandlung und nach Möglichkeit gesichertem Krankenversicherungsstatus.

Die Bundesdrogenbeauftragte reagiert und fordert Aufrechterhaltung der Suchthilfe

Die Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig reagierte darauf laut dpa mit dem Aufruf, die Suchthilfe in der Corona-Krise aufrechtzuerhalten. „Wir dürfen nicht vergessen, dass gerade suchtkranke Bürgerinnen und Bürger eine große Risikogruppe sind“, sagte die CSU-Politikerin am 20. März. Sie könnten durch fehlende Hilfe schnell in dramatische Notlagen geraten.

Wichtig sei, dass die Akutbehandlungen in Kliniken trotz Coronakrise weiter angeboten würden, so Ludwig. Auch Suchtkliniken dürften nicht in die Insolvenz getrieben werden, denn sie seien lebenswichtig. Drogenkonsumräume und Notunterkünfte müssten unbedingt von möglichen Ausgangssperren ausgenommen werden.

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(hs)