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Medikamentöse HIV-Prophylaxe wird deutlich preiswerter

Seit Mitte des Jahres gibt es für das HIV-Medikament Truvada®, dass auch zur Vorbeugung einer HIV-Übertragung (Präexpositionsprophylaxe) verordnet werden kann, zugelassene Generika.  Dies hat zu einem deutlichen Preisrutsch geführt. Für viele an einer HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) Interessierte sind die Medikamente nun erschwinglicher geworden.  Ärzte können die PrEP  auf Privatrezept verordnen, müssen dabei allerdings einige Dinge beachten.

PrEP ist die Abkürzung für die Präexpositionsprophylaxe. Bei dieser Schutzmethode nehmen HIV-negative Menschen vorbeugend antiretrovirale Medikamente ein, um sich vor einer HIV-Übertragung zu schützen. Die bei der PrEP verwendeten HIV-Medikamente enthalten die beiden Wirkstoffe Tenofovirdisoproxil und Emtricitabin, die die Vermehrung von HIV in der Zelle blockieren.  Die PrEP kommt für Erwachsene infrage, die beim Sex ein hohes HIV-Risiko haben, wie z. B. Menschen

  • mit häufigen Sexkontakten mit wechselnden Partner_innen,
  • mit Schwierigkeiten beim Kondomgebrauch (z. B. aufgrund von Erektionsproblemen) oder
  • mit wiederholten STIs.

Den Preisrutsch läutete ein Modellprojekt des Kölner Apothekers Tenberken mit der Firma Hexal ein. Dieses  Modell ermöglicht den Zugang zum Hexal-Generikum als verblisterte Packung mit 28 Tabletten  für ca. 50€. Der Vertrieb ist jedoch eingeschränkt und an ausgewählte Apotheken  gebunden. https://www.koelsche-blister.de/index.php/prep/teilnehmende-apotheken/.  Die 30-Tabletten-Packung von Hexal ist hingegen weiterhin eher  hochpreisig. Am 1. Dezember senkte die Firma Ratiopharm den Preis für ihr Tenofovirdisoproxil/Emtricitabin-Generikum auf ca. 70 €, so dass nun ein verhältnismäßig günstiges Generikum  bundesweit in allen Apotheken verfügbar ist.Von derzeit neun Herstellern von Tenofovirdisoproxil/Emtricitabin haben – neben der Zulassung für die HIV-Therapie - nur drei Firmen auch die Zulassung zur PrEP: Hexal, Ratiopharm und Gilead.  Eine Erstattung der Kosten der PrEP über die GKV ist nicht möglich.

Untersuchungen vor Beginn der PrEP

  • HIV-Test zur Bestätigung eines negativen Serostatus
  • Diagnostik auf sexuell übertragbare Krankheiten (STIs)
  • Überprüfung des HBV-Status, ggf. HBV-Impfung anbieten
  • Die Überprüfung der Nierenfunktion

In regelmäßigen Abständen sollten diese Untersuchungen erneut durchgeführt werden. Für die Zulassung der PrEP forderte die Europäische Arzneimittelagentur den Einsatz von Informationsmaterialien und Checklisten für verschreibende Ärzt_innen und Klient_innen. Zur rechtssicheren Verordnung sollten diese Materialien von den Firmen angefordert, bzw. von den Webseiten der Unternehmen herunter geladen werden. Hinweise zur Anwendung der PrEP und den erforderlichen Begleituntersuchungen finden sich auch in den neuen Leitlinien zur HIV-Therapie der Europäischen AIDS Gesellschaft EACS: http://www.eacsociety.org/files/guidelines_9.0-german.pdf (Seite 19).

Steffen Taubert