HIV/HCV-Infektionsrisiko für medizinisches Personal überschätzt

Eine neue Längsschnittstudie der Universität Pittsburgh/USA, die letzten Monat veröffentlicht wurde, legt nahe, dass das Risiko für medizinisches Personal, sich durch Haut-oder Schleimhautverletzungen mit HIV und insbesondere mit HCV zu infizieren, deutlich geringer ist als angenommen. Die Verfasser der Studie haben alle Fälle beruflicher Exposition an ihrer Klinik 13 Jahre lang verfolgt. Die dabei von Ihnen erfassten Serokonversionsrate bei HCV von 0,1% - in vorherigen Studien lag diese bei Werten zwischen 1,8% und 10%.  Die Autoren der Studie raten jedoch – trotz des geringen Infektionsrisikos – nach einem solchen Unfall zu sofortiger Berichterstattung, Test und Nachbeobachtung.

Die Serokonversionsrate nach Kontakt mit HIV-positivem Blut wird von der Literatur mit 0,13%, nach perkutanen Verletzungen allein mit 0,18% angegeben. In der Pittsburgh-Studie kam es in keinem der insgesamt 266 perkutanen und mukokutanen Unfälle zu einer HIV-Serokonversion. 21,2% des hiervon betroffenen medizinischen Personals führten nach diesen Ereignissen eine HIV-Postexpositionsprophylaxe (PEP) durch. Gemäß der Autoren sei dieses Ergebnis der HAART zu verdanken: die Senkung der Viruslast bei HIV-positiven Menschen verringere auch das Übertragungsrisiko auf medizinisches Personal.

Quelle: Egro FM, Nwaiwu CA, Smith S, Harper JD, Spiess AM. Seroconversion rates among health care workers exposed to hepatitis C virus-contaminated body fluids: The University of Pittsburgh 13-year experience. Am J Infect Control. 2017 Apr 24